{"id":2764,"date":"2020-10-13T18:38:07","date_gmt":"2020-10-13T18:38:07","guid":{"rendered":"http:\/\/krines.org\/?p=2764"},"modified":"2020-10-13T18:55:02","modified_gmt":"2020-10-13T18:55:02","slug":"ruegen-die-alte-bekannte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/krines.org\/?p=2764","title":{"rendered":"R\u00fcgen, die &#8222;alte Bekannte&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit alten Bekannten ist das so eine Sache. Sieht man sie nach Jahren wieder, wird die gegenseitige Entfremdung sehr schnell offensichtlich. Erst stellt sich ein schleichendes Unbehagen ein, welches in die Frage m\u00fcndet, ob man fr\u00fcher in vielerlei Hinsicht noch \u00e4hnlicher war, oder einfach nur Scheuklappen getragen hat? Anschlie\u00dfend beginnt man sich dar\u00fcber zu \u00e4rgern, da\u00df man sich \u00fcberhaupt auf eine erneute Begegnung eingelassen hat. Mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%BCgen\">R\u00fcgen<\/a> ist es uns so gegangen. Vor 20 Jahren waren wir schon mal auf Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Insel. Damals besuchten wir die Insel im M\u00e4rz, heute sind wir im Oktober hier. Die Witterungsverh\u00e4ltnisse sind vergleichbar. Was uns damals schon aufgefallen war und auch heute noch gilt: Der Verkehr, vor allem im Ostteil der Insel ist extrem. Auf den Stra\u00dfen reiht sich ein Auto an das andere. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%B6hren_(R%C3%BCgen)\" target=\"_blank\">G\u00f6hren<\/a> und <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sassnitz\" target=\"_blank\">Sassnitz<\/a> haben wir wiedererkannt. Dort hat sich auf den ersten Blick in all den Jahren nicht gro\u00dfartig etwas ver\u00e4ndert (bei n\u00e4herer Betrachtung nat\u00fcrlich schon). Entt\u00e4uschend f\u00fcr uns ist der Besuch von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prora\" target=\"_blank\">Prora<\/a>. Im Umfeld der Anlage entstand einiges an neuer Bausubstanz. Lagerhallen, Einkaufsm\u00e4rkte, Stra\u00dfen  und H\u00e4userzeilen, die den Archetypus der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2_2lGkEU4Xs\" target=\"_blank\">&#8222;Little Boxes&#8220;<\/a> aus dem Song von Malvina Reynolds erschreckend nahe kommen. Damals fuhren wir auf einer alten Betonstra\u00dfe direkt an Prora vorbei und parkten vor der Anlage. Heute gibt es dort ein Parkleitsystem mit diversen kostenpflichtigen Parkpl\u00e4tzen. Der Sinn der an den Wegen stehenden Holzschilder mit Phantasienamen aus der Schublade der Alpenromantik erschlie\u00dft sich uns nicht. Teilabschnitte von Prora sind saniert. Eine gro\u00dfe Jugendherberge sticht ins Auge, Cafes, ein Hotel und Appartements f\u00fcr Betreutes Wohnen. Doch viele Lofts stehen leer. Hinter den Fenstern sind die R\u00e4ume kahl, unm\u00f6bliert und unbeleuchtet. Sie warten darauf belebt zu werden. Das gesch\u00e4ftige Treiben und die daraus erwachsenden wirtschaftlichen Vorteile seien den Einheimischen auf alle F\u00e4lle geg\u00f6nnt, allerdings verliert Prora dadurch den Charakter den es vor 20 Jahren hatte: Ein Denkmal des Gr\u00f6\u00dfenwahns der Nazis zu sein. Der erneute Besuch der Anlage ist f\u00fcr uns deshalb eher entt\u00e4uschend ausgefallen. Wir laufen am Ostseestrand an den Geb\u00e4uden vorbei, trinken einen Kaffee und verlassen relativ schnell den Ort. Bei einer weiteren Sehensw\u00fcrdigkeit R\u00fcgens ergeht es uns \u00e4hnlich. Der Kaiserstuhl, die ber\u00fchmteste Kreidefelsformation R\u00fcgens, kam damals noch ohne Klimbim aus. Heute stehen wir nach einer drei Kilometer langen Wanderung, vor dem Nationalpark-Zentrum. Fast zehn Euro w\u00fcrde uns der Eintritt kosten. Und nur dann haben wir die bekannt-romantische Aussicht auf den Kreidefelsen. Wir sind nicht die einzigen die kehrt machen und von Halsabschneiderei sprechen. Schade, aber wir haben ihn schlie\u00dflich vor zwei Jahrzehnten  gesehen und den Parkplatz und die Entsorgung unseres Womos lassen sie sich hier auch gut bezahlen. Nichts wie weg von hier. Am n\u00e4chsten Tag verlassen wir die Insel wieder. Drei Tage sind mehr als genug. Auf die Ostsee haben wir blicken k\u00f6nnen. Fast ein Jahr ist es nun her, da\u00df sie uns in Schweden, Finnland und dem Baltikum t\u00e4glich begleitet hat. Das Meer zieht uns immer wieder an, doch es h\u00e4lt uns nicht lange in seinem Bann. Der Kommerz und die Menschenma\u00dfen lassen uns immer sehr schnell das Weite im Inland suchen. Dort, mit dem Womo auf Schotterpl\u00e4tzen hinter Dorfkirchen stehend, f\u00fchlen wir uns eher zuhause, als auf D\u00fcnen, an beliebten Seen oder an irgendeinem Strand. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit alten Bekannten ist das so eine Sache. Sieht man sie nach Jahren wieder, wird die gegenseitige Entfremdung sehr schnell offensichtlich. 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