Zurück und jetzt? – Ein Zwischenfazit

Wenn wir uns recht entsinnen, war es Walters elektronische Nachricht, daß wir uns doch am Besten schleunigst auf den Weg nach Hause machen sollten. Ein Hinweis von Walter, von dem ich nicht einmal weiß, ob er sich mit „t“ oder „th“ schreibt. Wenn Walt(h)er so viel Wert darauf legt wie ich, dann ist es für ihn bedeutsam, ob sein Name richtig oder falsch geschrieben wird. Allerdings müsste Walter dann schon ziemlich alt sein, den die Schreibweise des Vornamens mit „th“ ist wahrscheinlich bereits im Mittelalter aus der Mode geraten. Stefan mit „ph“ ist zwar nicht so häufig, doch gilt mein Name als Beweis, daß er auch bei jüngeren Semestern vorkommen kann. Doch ich schweife ab, wir waren schon beim „wir“ und uns stellt sich die Frage, warum wir solange mit der Rückreise gezögert haben und uns den Plan zurecht gelegt haben, die Coronawelle in der portugiesischen Natur aussitzen zu wollen. Anhand unseres eigenen Blocks ist die Zuspitzung der Lage ablesbar. Lange ist Corona kein Thema, und damit meinen wir auch kein Thema im medialen Sinn. Wir verfolgen auf Reisen die deutschen Nachrichten täglich. An unserer Uninformiertheit kann es also nicht liegen. Die Situation im Iran ist bei uns eher präsent, als die Berichte aus Italien. Die staatlichen Stellen beschwichtigen zu Beginn der Coronawelle. In den Veröffentlichungen der Medien hampelt ein Gesundheitsminister durchs Bild, der sich in Verharmlosungsgesten übt, die chinesische Entwicklung ist Hauptaugenmerk der Berichterstattung. Die politische Lage spitzt sich in der Form zu, in der sich der Virus verbreitet, nämlich exponential. Walters Ratschlag und Udos Appell sind die wichtigsten Impulse für ein Umdenken. Wir sind beide Risikopatienten. Falls wir uns was einfangen, wird es schwierig, wenn man weder Portugiesisch, Spanisch, noch Französisch beherrscht. Wir fahren zurück. Und angekommen im eigenen Land sehen wir uns umzingelt von Ignoranten, die keine Sicherheitsabstände kennen, das Ganze bagatellisieren, mitunter „Corona-Parties“ feiern. Doch wir sind im Moment gesund und haben uns in Quarantäne begeben. Ein Zustand, der Anfang nächster Woche den Bürgern sowieso auferlegt wird. Die Ausgangssperre ist nur eine Frage der Zeit und sie muß kommen. Bei der Unvernunft der Bevölkerung bleibt der Politik keine andere Wahl. Wer hätte gedacht, daß wir diese Beschneidung der Menschenrechte einmal herbeisehnen werden? Für uns ist klar, Verschwörungstheorien sind hier fehl am Platz. Wenn alle Staaten in den Krisenmodus verfallen, dann gibt es keine Weltverschwörung einer Gruppe, die durch diese Krise ihren Vorteil zu finden hofft. Irgendeiner würde sich quer stellen, die Briten lassen wir hier mal außer acht. Die Welt wird nach Covid-19 eine andere sein, da sind wir uns sicher. In Zeiten von Pestepidemien verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage, doch brach sich oft eine überbordene Lebensfreude Bahn und ein anderes Weltbild schimmerte auf am Horizont. Wirtschaftshilfen in Milliardenhöhe und Gesangskonzerte von Balkonen sind nur das Vorspiel zu einem Totentanz, der seiner Ästhetik beraubt ganz real daherkommt, wie der sprichwörtliche Schnitter aus dem „Ackermann“ des Johannes von Tepl. Doch Corona ist nicht alles. Unsere Reise wirkt nach und ein vorläufiges Fazit ist in der momentanen Situation sicher angebracht. Unsere Reise hat uns zuallererst gelehrt, daß die anderen Länder nicht auf der „Brennsuppe“ dahergeschwommen sind. Jedes einzelne Land hat seine „Pros“ und „Cons“, wie es heute auf Denglisch heißt. Norwegen unterscheidet sich geographisch und kulturell von Portugal. Die Finnen begegnen sich im sozialen Raum anders als Spanier. Die estnischen Frauen sind hübscher als anderswo. Der Italiener schmiert dir ganz spontan mit Vaseline die automatische Treppe des Wohnmobils und entläßt dich ohne einen Cent bezahlen zu müssen aus der Fachwerkstatt. Die Erfahrungen mit den Menschen bleiben haften. Das verbindende der einzelnen Länder ist die (oftmals blutige) Geschichte und der relativ neue europäische Gedanke, vor allem das in den letzten Jahrzehnten aufgebaute Gefühl der kulturell-geographischen Gemeinsamkeit. All das wird von der jüngeren politischen Entwicklung bedroht. Die Krise kann also eine Chance sein. Entweder das, oder ein Rückfall in Zeiten, die man als barbarisch klassifizieren kann. Wir werden sehen. Unsere Reise ist wahrscheinlich auf unabsehbare Zeit erst einmal zu Ende. Schade. Wir sind vom Norden nach Süden gereist. Zuletzt hatten wir unsere Reisesehnsucht im westlichsten Land des europäischen Kontinentes befriedigt. Der Besuch des Ostens Europas fällt leider aus. Rumänien hätten wir gerne gesehen, Albanien vielleicht. Länder die in Bewegung sind, wie wir mit unserem Reiseverhalten. Man könnte meinen, zwei Personen die auf hochgerechneten 4 qm durch die Weltgeschichte reisen haben so manchen Kampf auszufechten. Nichts dergleichen. Man wird zum Team und lernt sich gegenseitig respektieren, macht Witze über die Schwächen des Anderen und lacht lauthals mit wenn die eigenen auf das Tableau kommen. Zusammen reisen kann im günstigsten Fall zusammenwachsen bedeuten. Unter anderem diese Erfahrung ist es Wert eine Reise zu wagen.

Impressionen 3

Eine der Mautstationen in Norwegen. Kameras filmen die Durchfahrt und die Rechnung über die gesamte Maut kommt mit der Post nach Hause. Im Internet kann man sich auch anmelden, um seinen momentanen Mautstatus zu verfolgen. Manchmal sieht man Tage lang kein Schild, dann hat man wieder Tage, an dem alle paar Kilometer Maut fällig wird. Je nach Zustand bzw. Neubau einer Strecke. In Deutschland wäre das natürlich auch bequem und einfach, wenn da nicht die Bedenkenträger bezüglich Datenschutz sitzen würden. Die Norweger haben in dieser Hinsicht ein sehr entspanntes Verhältnis. Hauptsache elektronisch und modern. Wir sind jetzt fast vier Wochen in Norwegen und haben noch kein Bargeld gebraucht. Hier wird sogar die Dusche auf dem Campingplatz mit Kreditkarte bezahlt. Die Toilette auf der Raststätte öffnet ebenfalls nur mit Kreditkarte, auch wenn sie kostenlos ist. Übertrieben, das Ganze? Ja, aber wir werden es bei uns auch bald erleben. Bargeld soll ja (bis wann noch mal) abgeschafft werden.

Tromsö

Die Stadt erreicht man über die Tromsöbrua. Tromsö liegt 344 km nördlich des Polarkreises und beheimatet nicht nur die nördlichste Universität, sondern auch die nördlichste Kathedrale der Welt. Tromsö ist mit ca. 80.000 Einwohnern die größte Stadt im Norden des Landes. Auffallend ist die hohe Kneipendichte. Dies dürfte dem Umstand geschuldet sein, daß es sich um eine Studentenstadt handelt. Bei kühlen 17° Grad und einer steifen Prise sitzen die Leute mit T-Shirt in den Kneipen und trinken Kaffee und im Vergleich zu anderen Städtchen auch auffallend viel Bier. Die Brauerei Mack hat hier ihren Sitz. Das Bier schmeckt für unsere Gaumen allerdings nicht anders, als jede andere Marke in Norwegen. Irgendwie leicht und unterhopft, so wie ein 60 Cent Pendant bei Netto.

Wikingermuseum

Uhpps, ein Bild gehört hier nicht hin. Aber nicht nur die Wikinger liebten den Trockenfisch :-). Heutzutage gibt es den im Supermarkt. Allerdings unverschämt teuer, wenn ich die Preise mit denen in Island 2015 vergleiche. Teilweise wurde er laut Verpackungsaufdruck auch dort hergestellt.

Lofoten – Bilder und Resümee

Anders als Karin war ich über den geplanten Abstecher auf die Lofoten skeptisch. Im Rahmen des Hurtigruten- und Nordkapphypes werden diese von europäischen Reisebussen massenweise angefahren. Die Wohnmobilisten mit ihren fahrbaren Wohnhäusern nicht zu vergessen, die die schmalen Straßen zusätzlich befahren. Aber auch wir gehören ja dazu und wenn man schon mal hier ist…. Bereut haben wir die paar Tage nicht. Einen freien Stellplatz findet man trotzdem, obwohl die Verbotsschilder für wildes (frei ist für den Deutschen wieder mal wild 🙂 )Camping hier häufiger zu sehen sind. Allerdings wirkt alles hier „a bissla“ kleinteiliger als auf dem „Festland“. Die Landschaft ist allerdings beeindruckend. Auf den Bildern gut zu erkennen, sind die Formationen der Berge. Sehr spitz sehen sie aus. Es gibt einige Strände mit weißem Sand und in vielen Orten stehen riesige Holzgestelle zum Trocknen von Klippfisch. Auf den Lofoten ist die Fischerei, neben dem Tourismus, immer noch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Auffällig ist aber auch, daß hier Müll in Form von Kippen, Taschentüchern und entsorgten Mülltüten am Straßenrand zu sehen ist. In den letzten drei Wochen haben wir weder an den Rastplätzen am Straßenrand noch sonst in der Landschaft irgendwelche Müllverschmutzungen erkennen können. Entweder der Mülldienst arbeitet hier sehr effektiv (Norwegen ist laut Zivilisationsindex das entwickelteste und auch reichste Land), oder aber die Norweger haben ein ausgeprägteres Umweltbewußtsein als wir Deutschen, obgleich wir ja die Angwohnheit haben, aller Welt glauben zu machen wir wären die Weltmeister in dieser Disziplin.

Am Polarkreis

Am 26.7.2019 haben wir den Polarkreis erreicht. Die letzten Wochen waren schön, an den letzten Tagen kratzten die Temperaturen an der 30 Grad-Marke. Ungewöhnlich für die Region, wie uns einige Leute versicherten. Hat der Klimawandel Norge erreicht? Für nächste Woche ist durchwachsenes Wetter gemeldet. Unser Weg führt uns weiter in den Norden. Erst auf die Lofoten (sind mal gespannt wie überlaufen die sind) und dann weiter Richtung Tromsö, um dann irgendwo da oben den Turn nach Finnland zu machen. Bisher sind wir an die 5000 Kilometer gefahren. Auf Straßen, die bei uns als Feldwege durchgehen und bei einer regulären Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Entschleunigung heißt das Zauberwort. Ach ja, diesen Beitrag schreiben wir gerade um kurz nach 23 Uhr und es ist noch glockenhell. Um 1 Uhr geht die Sonne mal kurz unter und kommt dann gleich wieder nach oben 🙂

Grillen oder norwegische Esskultur

Noch ein Wort zur typisch norwegischen Küche. Auf dem ersten (und zweiten) Blick besteht die hauptsächlich aus Burgern, Hotdogs mit undefinierbaren Soßen und Pizza. Die norwegische Grillkultur ist etwas, wie soll ich sagen, gewöhnungsbedürftig. Auf den Einweggrills landen „Grillposer“, so eine Art Wiener Würstchen, die auch so schmecken, aber beim Grillen den Nachteil haben, daß sie sich innerhalb kürzester Zeit von Saitlingsbraun in Kackschwarz verwandeln. Sicher, es gibt auch Lamm, Rind und gepresste Frikadellen, doch die „Grillposer“ gibt es von Coop bis Kiwi, nicht selten im Familienpack.

Reparatur des Dachfensters

Zuhause haben wir das eine Dachfenster mit Dekaseal neu abgedichtet. Das hintere Dachfenster schaute soweit in Ordnung aus. Wie sich nach einem leichten nächtlichen Schauer herausstellte, nagte der Zahn der Zeit auch an diesem. Der morgendliche Blick an den Fahrzeughimmel ließ unseren Tag richtig gut angehen 🙁 Stockflecken, eindeutig. Zum Glück hatten wir entsprechendes Reparaturmaterial eingepackt: Das Hochleistungsdichtband von 3M und eine Rolle Panzerband. Nur wie kommt man ohne Leiter auf das Dach der Kiste? Müllcontainer haben oftmals eine angebrachte Leiter, die ideale „Hühnerleiter“ für eine unvermeidliche Arbeit.