Rumänien, gibt es denn dort was zu sehen?

Diese Frage kommt nicht von ungefähr, sondern stammt aus dem Munde meiner Tante, als sie erfuhr, daß wir nach Rumänien reisen werden. Die Frage läßt sich eindeutig mit Ja beantworten, hat doch unsere Reiseführer einen Umfang von knapp 700 Seiten. Doch bekanntlich halten wir uns bei unserer Reiseplanung nicht an diese Machwerke, die nur dem Zweck dienen, die Ströme an Toursisten zu lenken und uns dazu anleiten, auf vorgetretenen Pfaden die Welt zu bereisen. Die Transalpina reißt uns nicht wirklich vom Hocker. Wir sind schon schönere und auch schwerere Pässe gefahren. Zum Großteil geht die Fahrt durch Waldgebiete. Die Steigungen und Kehren sind moderat und der Straßenbelag wurde anscheinend frisch geteert. Rastmöglichkeiten bzw. Parkbuchsen am Weg sind fast nicht vorhanden. Ein zweckmäßiger Pass eben, um von A nach B zu kommen und somit sehr rumänisch, hat man doch den Eindruck, die Autofahrer rasen deswegen so schnell, um möglichst zeitig ihr Ziel zu erreichen. Nicht weit von hier ist die Landschaft mindestens genauso traumhaft, nur handelt es sich um eine ganz normale Verbindungsstraße, die in keinem Reiseführer als touristisches Highlight gepriesen wird. Sanfte Hügelketten werden von Waldgebieten unterbrochen. Bäche säumen den Weg, der hi und da von schroffen Felsen flankiert wird. Dabei handelt es sich um eine Landschaft, die den Blick in die Ferne schweifen läßt. Die hohen, über 2000 Meter aufragenden Berge stehen immer irgendwo am Horizont und vervollständigen das Panorama aus sanften Hügelketten, die sich in Reih und Glied vor unseren Augen aneinander reihen.

Als Lektüre reisen Bücher zweier rumänischer Autoren mit. Das „Heilige und das Profane“ von Mircea Eliade, einem Religionshistoriker. Und zwei Werke von E.M.Cioran, dem „Erzpessimisten“, der in der Nähe von Sibiu (Hermannstadt) geboren wurde, die längste Zeit seines Lebens allerdings in Paris gelebt hat. Beide eint ihre anfängliche Begeisterung für die „Eiserne Garde“, was sie in späteren Jahren bereuten. So gesehen reisen wieder einmal die richtigen Schriftsteller mit, denn die Biografie der beiden weist Brüche auf, vergleichbar etwa mit dem deutschen Lyriker Gottfried Benn, der in der damaligen Zeit ebenfalls kurzzeitig dem NS-Regime zugeneigt war. Trotzdem sind die Lebensläufe und die Werke dieser Menschen interessanter als die derer, die „immer schon alles gewußt haben“ und das in ihren Augen „vor allem besser.“

Lidl, Kaufland , H&M, Kik, Deichmann, Obi und Co. Betrachtet man ausschließlich den Bereich des Konsumsektors, haben wir Deutschland nicht verlassen, oder anders ausgedrückt, uns wird überall auf der Welt mittlerweile die gleiche Soße serviert. Vor allem die Fast-Food-Giganten liefern sich in Rumänien einen Verdrängungswettbewerb. Wo ein KFC ist, kommt mit Sicherheit ein paar Kilometer weiter ein Burger-King und ein McDonalds. Die kulinarische Gleichförmigkeit greift auch hier um sich und bedroht die nationalen Kochtraditionen. Auf der anderen Seite sieht man in Rumänien nicht nur Range Rovers und teuere Audis, sondern auch den Bauern, der mit dem Pferdegespann zum Minimarkt im Dorf fährt, oder seine Kuh an der Leine über die Straße führt. Man sollte hier nicht dem exotisch-nostalgischen Reflex erliegen. Vermutlich würde der Bauer seine Kuh lieber per Autoanhänger von der Weide holen. Die Schere zwischen unterschiedlichen Lebenstandards ist immens und vor allem auf dem Land zu beobachten. Die Kühe stehen hier oftmals auf der Straße und es ist, anders als in Deutschland keine Sonderdurchsage im Rundfunk, bzw. das Ausrücken der Polizei nötig, um die „Gefahrenlage Kuh“ zu beenden. Hier fährt man einfach um die Kühe herum.

Adresse in Deutsch-Jahrndorf: Irrenanstalt, Nummer 6.
Grenze Österreich/ Ungarn.
Solche Heustapel sind hier die Regel.
Chaotisch, aber immerhin haben sie in Rumänien 5G :-))
Die Burg von Hunedoara (Eisenmarkt). Vlad Tepes (Dracula) war hier, aber nur kurz.
Die Höhle Pestera Bolii bei Banita.
Ein Altar in der Höhle, natürlich videoüberwacht.
Nippesläden an der Transalpina.
Steinpilze findet man hier überall.
Einer von vielen Straßenhunden.

Vom Massif Central nach daheem

Zurück in Deutschland werden die Unterscheide zwischen Spanien/ Frankreich und Deutschland besonders offensichtlich. Wie schon öfters erwähnt, muß man in Deutschland öffentliche Mülltonnen suchen. Klar, in südlichen Ländern stehen die Alltagsmülltonnen der Menschen an den Straßen und Häusern, aber davon ist hier nicht die Rede. Es geht um die Park- und Rastplätze und in dieser Hinsicht sind uns diese Länder (mittlerweile) um Welten voraus. Hier wird, anders als bei uns, durch Plakate und Schilder kein müllfreier Parkplatz herbeigewünscht, sondern etwas getan. Es werden Mülleimer aufgestellt. So einfach ist die Lösung. Nicht an das moralisch-ökologische Gewissen appellieren, sondern praktisch handeln ist die Devise. Und sie geht auf. Die Straßenränder in Frankreich sind heute weniger versifft als bei uns. Den „Mülltrennern“ der Welt geht es anscheinend eher um das individuelle Müllbewußtsein, als um die öffentliche Sauberkeit. Ja, der Einwand „Es kost halt a Gald“ liegt nahe. Doch bleibt zu fragen, ob denn die französischen und spanischen Kommunen nicht rechnen können? Warum praktizieren die das, während wir unsere öffentlichen Mülleimer abbauen bzw. nur spärlich aufstellen? Glauben wir in Deutschland wirklich, daß der lettische LKW-Fahrer seine leere Fischsalatverpackung wieder mit nach Hause nimmt? Wenn kein Mülleimer da ist, wird er den Kram in der Pampa abladen. Wohin auch sonst? Dafür würden auch wir den nächsten Wertstoffhof nicht ansteuern.

Chateau de Polignac in der Abendsonne..
Die Übersetzung für Angeln ist“Pfirsich“.

Unsere Souvenirs sind alle von kulinarischer Art. Der Speck aus dem Baskenland fehlt auf dem Bild. Er erinnert in seiner Machart an einen italienischen Guanciale und wird uns in einigen Carbonara-Gerichten sicher guten Geschmack geben. Bei der Verköstigung auf dem Hof wird er hauchdünn aufgeschnitten und kurz erwärmt. Das Ergebnis: Er schmilzt wie Kaviar auf der Zunge. Wir sind auf alle Fälle gespannt. Schnecken und Schweineohren sind in Deutschland sehr schwer zu bekommen, deswegen sind sie als Dosenware mit dabei. Und die Calamares in eigener Tinte müssen einfach mit. Die alten Bestände aus Lanzarote sind längst aufgebraucht. Was gibt es köstlicheres zum Frühstück, als eine Dose Calamares en su tinta mit Toastbrot.

Öffentliche Mülltonnen. Eine seltene Erscheinung in Deutschland.

In Spanien und Frankreich tippen wir auf Displays wie an einem Bankautomaten herum. Die Bezahlung der Serviceleistung geht nur mit Kreditkarte (nicht mit EC), danach öffnet sich die Schranke und der Stellplatz kann befahren werden. Videoüberwachung ist natürlich obligatorisch. Immer mehr kommunale Stellplätze sind mit dieser Technik versehen. In Deutschland bezahlt man dagegen immer noch mit der guten alten Münze. Kartenzahlung gibt es hier nicht. Sollen wir das bedauern? Nein. Uns ist die Bezahlung in Münzen lieber. Da haben wir mehr Kontrolle. Dennoch ist der Befund bezeichnend. In Hinblick auf den Ausbau digitaler Technik sind wir nicht nur Mittelmaß, sondern reihen uns in Deutschland eher in die hinteren Ränge ein, so zumindest unser Eindruck nach drei Jahren, in denen wir unterschiedliche Ländern Europas bereist haben. Da ändert auch eine Digitaltussy „Bär“ nichts daran. Im Gegenteil, irgendwo hier zwischen Personalienschieberei, konservativen Verhalten der Menschen und staatlicher Überregulierung dürfte der Hund begraben sein.

„Nur Bares ist Wahres….“
Ohne Münzen geht nix.

Aus der Camperküche – Boudin noir und Froschschenkel

Blutwurst ist nicht nur eine Spezialität der deutschen Küche, sie findet sich auf den Speiseplänen weltweit. Die Engländer bezeichnen sie als Black pudding, die Franzosen als Boudin noir. In Spanien heißt sie Morcilla und wird im Gegensatz zur deutschen Blutwurst ähnlich kreativ gewürzt wie ihr französisches Pendant. In Frankreich wird die Boudin in der Regel erhitzt und somit entsteht in Verbindung mit Kartoffeln eine Ähnlichkeit zum Gericht „Himmel und Erde“ der deutschen Küche. Mit einer ausreichenden Menge Kartoffeln wird die Boudin mit Zwiebelfüllung zu einem vollwertigem Abendessen. Gott sei Dank wacht die Bruderschaft der Ritter der Blutwurst (Confrérie des Chevaliers du Goûte Boudin) über die Qualität der Verwurstung. Ja, „es geht um die Wurst“ und in diesem Fall liegen auch die Ritter der Kokosnuss und ihr Black pudding mit den Franzosen auf gleicher Wellenlänge.

Irgendwann findet man sie doch in der Gefriertruhe, die Froschschenkel. Als Nahrungsmittel waren sie früher auch bei uns gängig. In der Schweiz, Belgien, Portugal, der Karibik und asiatischen Ländern stehen sie noch heute auf dem Speiseplan, ebenso im französisch geprägten Teil der U.S.A. Im Sinne des Tierschutzes ist von einem Verzehr abzuraten. Die meißten Frösche stammen aus Wildfängen und ihre Tötung ist in aller Regel nicht tierschutzgrecht. Wir probieren sie trotzdem, Tierschutz hin oder her. Wir wollen wissen wie sie schmecken. In einer Pfanne mit Olivenöl braten wir die Froschschenkel von beiden Seiten an. Dabei salzen und pfeffern wir dezent, denn das Fleisch der Frösche bringt genug Eigengeschmack mit. Wenn wir den Geschmack beschreiben sollten, erinnert er uns in erster Linie an Fisch und zwar an Dorsch bzw. Kabeljau. Interessanterweise saugen die Schenkel fast kein Öl. Die Pfannenreste entpuppen sich beim Spülen allerdings als Superkleber. Es kostet ein wenig Zeit, die Pfanne vom Froschkleber zu säubern. Fazit: Essbar ist das Gericht, der ökologisch-moralische Aspekt muß dabei negiert werden. Haben wir damit ein Problem? Nein.

In Olivenöl wird gebraten.
Fertig zum Servieren.

Der Schamane von Lascaux

Im französischen Baskenland, in der Nähe der Gemeinde Hasparren statten wir den Höhlen Isturitz und Oxocelhaya einen Besuch ab. In Spanien steht für uns die für ihre Darstellungen bekannte Altamira-Höhle auf dem Programm. Zu einem Besuch kommt es allerdings nicht, da dem Parkplatzwärter unser Parkverhalten mißfällt, er uns durch diesen Zwischfall unsere Motivation raubt, worauf wir das Weite suchen. Altamira werden wir in diesem Leben wohl nicht mehr sehen. Im spanisch-französischen Grenzgebiet befinden sich jedoch einige Höhlen, die für die prähistorische Forschung von herausragender Bedeutung sind. Als wir den Shell-Atlas studieren, um unsere Rückreise aus Spanien zu planen, entdecken wir in der Nähe der französischen Stadt Périgueux den Eintrag Grotte de Lascaux.

Zu dieser Höhle habe ich einen persönlichen Bezug. In meiner Magisterabschlußprüfung in Ethnologie wurde mir von meinem Professor eine Darstellung aus der Höhle vorgelegt, die ich interpretieren sollte. Sie zeigt ein Bison und einen Mann. Das von einem Speer durchbohrte Bison, dessen Eingeweide aus dem Bauch herausquellen, geht auf einen gestürzten Mann mit Vogelkopf los, der vierfingerig (Vögel) und mit erigiertem Geschlecht dargestellt wird. Eine gebrochene Speerschleuder (?) mit Vogelkopf liegt an seiner Seite. Was könnte nun diese Malerei darstellen? Naheliegend wäre es, sie im Bereich der Jagdmagie zu verorten, die mit dem Begriff „Herr der Tiere“ umschrieben ist. Diese Interpretation wird auch während der Führung in Lascaux angesprochen. Eine Interpretation im Rahmen des religiösen Komplexes des Schamanismus ist für die Gästeführerin jedoch plausibler. Und in diese Richtung hatte ich damals in meiner Abschlußprüfung argumentiert. Der Schamane mit seiner Vogelmaske und der Abbildung seines Krafttieres auf der gebrochenen Speerschleuder ist in Trance. Er befindet sich zwischen den Welten von Leben und Tod (erigierter Penis!). Damals wußte ich nicht, daß die Malerei im ca. 2,5 Meter langen „Schacht“ angebracht wurde, einen schwer zugänglichen Bereich im hinteren Teil der Höhle und das man sich aufgrund des Sauerstoffmangels dort nur für maximal zehn Minuten aufhalten kann. Diese Tatsache ist natürlich sehr aufschlußreich, handelt es sich doch somit nicht nur symbolisch um einen Ort zwischen Leben und Tod. Der Aufenthalt dort war für die Menschen ein gefährliches Unterfangen, und nur durch Abseilen möglich. Nimmt man all diese Aspekte zusammen, so liegt es nahe, der Malerei eine religiöse Konnotation zuzuschreiben. Ob nun schamanistische Vorstellungen in Stein gebannt wurden, oder ob die Darstellung mit dem Komplex von Übergangsriten in Verbindung steht, werden wir 20000 Jahre später nicht mit Sicherheit beantworten können. Die Konzepte zur Interpretation der Höhlenmalerei stehen allerdings zu unserer Verfügung.

Alte Markthalle in Montignac-Lascaux.
Eingangsbereich zu Lascaux IV.

Mirakel, Wünsche und Wunder…

Wir haben bisher nichts über unsere Reise an den Yesa-Staussee, noch zum Kloster San Juan de la Pena geschrieben. Karin meint scherzhaft, daß wäre ja „Sünde“ und lenkt mit dieser Begrifflichkeit unsere Gedanken schlagartig Richtung Lourdes. In der, nicht einmal unattraktiv gelegenen Stadt finden wir sofort einen Parkplatz. Auf dem Weg zur Grotte säumt der Kitsch die Straßen. An die 200 Devotionalienläden soll es hier geben. Von der Plastikmadonna bis zum Armband aus Olivenholz kroatischer Produktion bekommt man den ganzen Krempel, den Gläubige aus aller Welt an einem Wallfahrtsort erwarten. Die Straßencafes und Restaurants sind gut besucht. Beim Vorbeilaufen werfen wir einen Blick auf die Teller der Gäste und entdecken Internationale Einfaltslosigkeit. Die Calamari mit Pommes sehen in Lourdes genauso gummiartig-fettig aus, wie an der Bude im Haßfurter Industriegebiet. Der internationale Glaube und die kulinarische Geschmacklosigkeit gehen Hand in Hand. Der große zentrale Platz in der Nähe des Heiligtums ist fast komplett leer. Nur vereinzelt laufen Menschen. Ab und an kommen Gruppen vorbei, die für uns mit ihren Halstüchern und ihrer uniformen Kleidung wie Pfadfinder aussehen. Dazwischen Frauen in weißen Gewändern. Man könnte meinen, hauswirtschaftliche Fachkräfte wären unterwegs zu ihrem Arbeitsplatz in irgendeiner Großkantine in der Nähe. In der Grotte selbst, freut sich Cov-19 über seine leichte Verbreitung. Die Hände, die dort an einem Tag die Wände berühren, werden wir in unserem restlichen Leben nicht mehr schütteln. Seltsames Volk, das mit Maske vor die Grotte läuft und anschließend die Bazillen aus aller Welt von der Wand kratzt, um sie auf Haar und Mund zu verteilen. Wir lassen nebenan das „heilige Wasser“ in unsere Flasche laufen und machen uns auf den Weg zurück zum Van.

In den Gassen von Lumbier.
Im Foz de Lumbier.
Fundstücke am Weg. Eine Scheibe Chorizo.
Auf dem Weg zu einem der bedeutensten Klöster in der spanischen Geschichte.
Brücke in Lestelle-Betharram.
Auf dem Weg zur Grotte in Lourdes.

Im Moment ist der Automat mit den Franziskusmünzen defekt. Eine „Bernadette“ könnten wir noch kaufen.

Süßkram wie in einem schwedischen Supermarkt.
Bestuhlung an der Grotte. Rechts der Gave de Pau.
Plastikkrippen, die nationale Klischees bedienen. Josef und Maria im Trachtengewand vor dem Brandenburger Tor. Links der Berliner Bär und rechts ein überdimensioniertes Bierfaß.

Aus der Camperküche – Gambas und Spargel mit Kapernvinaigrette

Wer in Spanien an der Fischtheke nicht zuschlägt ist selber schuld. Wir sehen Kalamare, Tintenfische, Doraden, Meeresschnecken, Muscheln und Langusten. Das Angebot, selbst im kleinsten Supermarkt, oder der örtlichen Pescaderia ist für uns Deutsche schon als überborden zu bezeichnen. Uns wird nicht eine geräucherte Makrele, oder ein in Mayonnaise doppelt getorbener Fisch schmackhaft gemacht. Wir haben die Qual der Wahl. Für unser Rezept nehmen wir eine ausreichende Menge Gambas. Zur Klassifizierung haben wir uns bereits bei unserem Knoblauchgarnelenrezept geäußert. Die Gambas werden in der Pfanne mit Olivenöl ca. drei Minuten angebraten und gesalzen. Mit einer Prise Piment d‘ Espelette sorgen wir für eine leicht scharfe Note. Unseren gewaschenen Salat schleudern wir in einem sauberen Küchentuch trocken, dann darf er in einer Vinaigrette aus 2 EL Kürbiskernöl, 2 EL Himbeeressig, 1 TL Senf, eine Prise Salz und Zucker und getrocknetem Estragon baden. Mit geriebenem Pecorino, bzw. in diesem Fall mit Schafskäse vom baskischen Biohof wird der Geschmack des Salates abgerundet. Wir kochen den Spargel. Er darf ruhig noch Biß haben. Dazu reichen wir eine Vinaigrette aus Öl, Zitrone und klein geschnittenen Kapern. Ein paar Knoblauchzehen, die mit den Gambas in der Pfanne weich gebraten werden, richten wir ebenfalls mit an. Wer wissen möchte, wie man die ungeschälten Gambas stilvoll bei Tisch zerlegt, sollte sich dieses Video ansehen.

Ab in die Pampa…

Nach einem kurzen Abstecher ins kantabrische Hinterland sind wir wieder zurück in Euskadie (Baskenland). Auch die autonome Gemeinschaft Kastlien und Leon ist nicht weit und so fahren wir am Tag mehrmals durch verschiedene Provinzen. Wir befinden uns eben im Grenzland. Die offene, hügelige Landschaft des Baskenlandes gefällt uns sehr gut und anders als vermutet ist die Vegetation in großen Teilen sehr grün, da mitunter durch das maritime Klima, ausgiebige Regenschauer keine Seltenheit sind. Im Vergleich zu Navarra im Süden, wo im Moment Waldbrände ausgebrochen sind, sehen die Wiesen saftig und feucht aus. Die Menschen sind freundlich und mit einem kaixo (Hallo, sprich „keischo“) und einem agur (Tschüss, sprich „a-hur“) zaubern wir den Einheimischen ein Lächeln ins Gesicht. Der Küstenstreifen des Baskenlandes ist relativ dicht besiedelt und verbaut. Die eine Stadt reiht sich an die nächste, während das Hinterland mit seiner landwirtschaftlichen Prägung ruhig und beschaulich auf uns wirkt. Vierspurige Ausfallstraßen, wie etwa um den Moloch Bilbao, sind nicht gerade das was wir suchen. Die Fassade des Guggenheim-Museums kennen wir aus dem Fernsehen, dem Internet und diversen Architekturbänden, das muß genügen. Einen Besuch haben wir erst gar nicht in Erwägung gezogen, am Louvre haben wir vor Jahren schließlich auch sehr schnell das Weite gesucht. Und Donostia, das romantisch gelegene San Sebastian werden wir doch wohl anschauen? Drauf geschissen, auf Inszenierungen stehen wir nicht. Wir haben die Ahnung, daß es so „romantisch“ werden würde wie eine Fahrt mit angehängten Bummel durch Monaco und diese Vorstellung lässt uns keine andere Wahl, als zu fliehen, nicht nur von den „must see“-Städten, auch von den Stränden. Falls es eine Konstante in unserem Reiseverhalten gibt, dann die, daß wir die Pampa suchen und die Städte meiden. Wer reist nimmt sich mit, sein Verhalten, seine Vorlieben, seine Sicht der Dinge. Urbane Zentren haben wir auf unseren Reisen mit dem Van nicht im Fokus. Wir möchten auch keine App auf unser Smartphone laden, um einen Zugang zu beschrankten Parkplätzen zu bekommen. Die Angabe der Kreditkartennummer ist dafür ebenfalls zwingende Voraussetzung. Alles wie gehabt. Wir sind wieder einmal an der Küste, unsere Nerven liegen blank, weswegen wir uns nach einem kurzen Blick auf das Meer von der Küste verabschieden und uns ins Hinterland schlagen. Dort sitzen wir abends in einer Dorfkneipe beim Bier und lassen die fremdartigen Klänge der baskischen Sprache auf uns wirken, die uns von den Einheimischen kostenlos dargeboten werden.

In Ona vor dem Kloster San Salvator.
Eine kleine Wanderung bei Ona.
Unser High-Tech-Stellplatz in Santillana del Mar.
Eine baskische Bar in Lanestosa.

Baskisches Blut

Das Baskische Blut hat eine politische, eine kulturelle und eine kulinarische Dimension. Die politische ist schnell umrissen und steht im Zusammenhang mit dem Terror durch die ETA und die Unabhängigkeitsbestrebungen vieler Basken, die sich vom spanisch empfundenen Joch befreien wollen. Die kulturelle Dimension findet ihren Niederschlag darin, daß Baskisch eine isolierte Sprache ist. Sie ist weder indogermanischen Ursprungs, noch mit einer anderen Sprache verwandt. In der baskischen Gesellschaft findet man außerdem häufig die Blutgruppe 0, Rhesusfaktor „negativ“, die im restlichen Europa relativ selten ist. Die kulinarische Dimension lernen wir auf einem landwirtschaftlichen Hof kennen. Dort werden Schafe und Schweine in ökologischer Landwirtschaft zusammen gehalten. Das Endergebnis kann sich schmecken lassen. Die Boudin noir ist sehr schmackhaft und der Speck, der in seiner Machart an einen italienischen Guanciale erinnert, zergeht nach einer leichten Temperierung und hauchdünn aufgeschnitten auf der Zunge wie Kaviar.

Die Boudin noir und, der Speck sind sehr köstlich.
Unser Schlafplatz auf dem Puerto de Ibaneta.
Die Pilgerkapelle San Salvator auf dem Pass Puerto de Ibaneta.
Fundstück in Roncesvalles.
Ausgestorben wirkende Gassen am Mittag.
Imposante Burg im navarrischen Artajona.
Müll auf baskisch.
Der „Kraftort“ Santa Maria de Eunate.
Kein historischer Steinkreis, sondern ein Mahnmal für die Opfer von 1936/37 durch die Franco-Diktatur. 19 Stelen stehen für die jeweiligen Ortschaften, in denen 92 Hingerichtete zu beklagen sind.
Schwitzend im Dolmen.

Von Lit-et-Mixe an den Rand des Limbus

Wir fahren durch die Mitte Frankreichs, von Ost nach West. Kühe begleiten uns seit Tagen. Erst dominieren weiße Rassen, bis sie je weiter westlich wir kommen, von braunen abgelöst werden. Auf unserer gewählten Route haben wir den Eindruck, dieses Land besteht nur aus Rindern und Landwirtschaft. Frankreich ist ein weites Land und da wir aufgrund der Preise auf Autobahnen verzichten, kommen wir nur langsam voran. Doch wir haben Zeit. Die National- und Provinzstraßen sind für eine Annäherung an das Land sicher hilfreicher, als das stupide „Strecke machen“ auf den Autobahnen. Auffällig sind die vielen Alleen, die nicht nur an den Straßen stehen, sondern sogar auf den Äckern der Bauern zu sehen sind. Der französische Landwirt ackert einfach zwischen den Bäumen hindurch, statt sie heraus zu reißen. Um die Äcker steht das „Unkraut“ in Form von Farnen, Hecken und allerlei Gestrüpp. Was für ein Kontrast zu den Äckern bei uns vor der Haustür mit ihrer antiseptischen Anmutung. Die Baguettes sind köstlich, doch muß man zum Bäcker im Ort mit der schmuddeligen Fassade. Die Supermarktvariationen bzw. die Boulangerien, die im modernen Architektureinheitsbrei ihr Backwerk anbieten, bewegen sich auf ähnlichem Niveau wie bei uns zuhause. Escargots, Pasteten, Terrinen und Rillettes gibt es hier nicht nur reichlich, sondern auch in guter Qualität. All diese Dinge vermissen wir in deutschen Supermärkten. Dort findet man Genuß immer seltener. Stattdessen herrscht bei uns das Credo des „Light“ mit seinen Camemberts, Limburgern und Harzer Rollern die nicht mehr stinken und fließen. Der französische Weichkäse duftet nun schon seit zwei Tagen in unserem Kühlschrank, hat bereits eine leicht braune Rinde und wird im Geschmack immer besser. Frankreich hat uns wieder.

Pfingstfest in Fessenheim.
In Moulins. Kühe begleiten uns seit Tagen in Frankreich.
An unserem Stellplatz in Belin-Béliet.
Auf dem Weg zur Dune du Pilat.
Reste von Bunkern, die 1944 von deutschen Marineeinheiten genutzt wurden.
Viele Bunker sind abgerutscht bzw. befinden sich mittlerweile vollständig unter Wasser.
Wir besuchen ein gutes Lokal in LIt-et-MIxe.

Für unsere Reise durch Norwegen und Finnland hatten wir die entsprechenden Ausgaben der „Gebrauchsanweisungen“ aus dem Piper Verlag dabei. Dabei handelt es sich um sehr brauchbare kleine Reiseführer, die den Leser auf kurzweilige Art in die Eigenheiten des jeweiligen Landes bzw. der Region einführen. Den Band Gebrauchsanweisung für Bordeaux und die Atlantikküste von Alexander Oetker empfehlen wir dagegen nur, wenn sich der Leser insbesondere für die Kulinarik des Landstriches interessiert. Uns fehlt in diesem Buch ein wenig der geschichtliche Hintergrund bzw. die augenzwinkernde Distanz zum Thema. Wir folgen einem Vorschlag des Autors und fahren nach Lit-et-Mixe. Dort soll es im Restaurant LÈstonquet regionale Küche vom Feinsten geben. Die Bedienungen tragen Alltagskleidung, das Klientel besteht auf dem ersten Blick aus Gästen des Umlandes. Auf der Tageskarte steht sie ganz oben, die Foie gras. Sie auf der Speisekarte eines deutschen Restaurants zu finden ist nicht so einfach. Die Herstellung ist dort verboten, der Verkauf jedoch erlaubt. Im Südwesten Frankreichs ist sie so gängig, wie der Weiße Pressack für den Franken. Vom Feinkostgeschäft bis zum Supermarkt, sie ist in dieser Region einfach allgegenwärtig. Mag sein, daß es sich bei der Stopfleber um einen besonderen Genuß handelt (sie zergeht auf der Zunge), die den Franzosen eine Einordnung als „gastronomisches Kulturerbe“ wert ist. Sicher, wer Tiere verspeist, muß mit deren Mast leben, jedoch sind die letzten zwei Wochen für die Tiere die reinste Hölle. Sie werden „genudelt“, bis die Leber des Tieres so verfettet ist, daß das Tier durch die Schlachtung nur noch erlöst werden kann.

Lachsforelle auf Mandeln mit Beurre blanc.
Foie gras mit köstlicher Soße.

In der Nähe von Lit-et-Mixe befindet sich der Strand Cap de L’Homy, der vor allem bei Surfern beliebt ist. Natürlich gibt es hier auch einen Campingplatz, auf dem man unter Pinien in der Nähe des Strandes steht. An der Rezeption findet bereits um diese Jahreszeit eine Massenabfertigung an zwei Schaltern gleichzeitig statt. Nach einer kurzen Diskussion machen wir kehrt und verlassen diesen Ort fluchtartig. Unter Pinien zu stehen halten wir nicht für den Inbegriff von Romantik und die „Lifstylecamper“ mit ihren Yogamatten und Selbsterkenntnisgesichtern gehen uns mittlerweile auf den Sack. Strände, Seen und Flüße, die heilige Dreifaltigkeit unseres Fluchtreflexes. In diesem Limbus (Vorhölle) wollen wir nicht verweilen. Wir stürzen zurück ins Zentrum. Einige Kilometer landeinwärts stehen wir auf einem ruhigen kommunalen Stellplatz. Mitten unter Franzosen, die ganz gemächlich ihr Boule-Spiel zelebrieren. Hier fühlen wir uns wohler.

Ostern, oder saufen für den Endtopf

An Ostern fahren viele in den Süden, wir auch. Wir wollen an den Comer See. Einfach nur relaxen, auf das Wasser schauen und dort ein paar schöne Tage verbringen, so der Plan. Unsere Reisepläne sind bisher nie aufgegangen, auch dieses mal nicht. Unser Reiseverhalten ist nicht für Pläne gemacht, wir entziehen uns der Planbarkeit, nicht bewußt, doch der Keim des Unwägbaren begleitet uns auf all unseren Reisen. Wir lassen ihn zu, denn nur dadurch bekommt unser Reisen einen Sinn. Wir erinnern uns im Nachgang in erster Linie an die Mißgeschicke der Reise, nicht an die geglückten Situationen und die schönen, meinetwegen auch romantischen Momente. Diese Reise ist gespickt mit Unwägbarkeiten, die wir Gott sei Dank gemeistert haben.

Das landschaftliche Panorama bei St. Moritz ist beeindruckend. Der St. Moritzersee ist Mitte April noch von einer dicken Eisschicht bedeckt. Sils Maria ist nicht weit und man kann Nietzsche vieles vorwerfen, aber er hatte in der Wahl seines Sommersitzes definitiv keinen schlechten Geschmack. Auf einer Höhe von über 1800 m ü. M. fühlt sich auch heute noch jeder Zarathustra wohl:

„Hier saß ich, wartend, wartend, – doch auf Nichts,
Jenseits von Gut und Böse, bald des Lichts
Genießend, bald des Schattens, ganz nur Spiel,
Ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel.
Da, plötzlich, Freundin! wurde Eins zu Zwei –
– Und Zarathustra ging an mir vorbei …“

Friedrich Nietzsche: Die fröhliche Wissenschaft (1882)

Wir sind am Ursprung des Inns, den wir die ganze Zeit durch unsere Fahrt durch das Engadin gefolgt sind.

Parkuhren am St. Moritzersee. In der Schweiz hat alles seinen Preis.

Über den Malojapass fahren wir ins italienische Chiavenna. Das letzte Stück geht in Zickzackkurven nach unten, dabei fühlen wir uns an die Fahrt des Trollstigens zurückversetzt, nur daß um diesen Pass nicht so ein großes Bohei gemacht wird. In der Lombardei herrscht noch Maskenpflicht im Supermarkt und selbst auf den Gehsteigen sieht man ältere Menschen mit Masken laufen. Wir wollen zum Comer See und ein paar Tage nur dümmlich auf den See starren. Wie so oft bei Seen und Bergen geht unser Plan auch dieses Mal nicht auf. Wir laufen am See spazieren, genießen das Panorama und gruseln uns vor der Masse an Campern, die wie die Ölsardinen in ihren Wagenburgen aufeinander sitzen. Nach einem obligatorischen Espresso in einem Café abseits der Seemeile suchen wir das Weite. Nur weg von hier, ab in die Pampa.

Am Ufer des Comer Sees.

Wer nach der Pampa ruft bekommt sie auch, manchmal mehr als einen lieb ist. Von Moggio aus führt der Culmine San Pietro-Pass auf einer Strecke von ca. 18 Kilometern nach Vedeseta. Er verbindet das westlich gelegene Tal Valsassina mit dem östlichen Val Taleggio. Auf dem Pass sind viele Motorradfahrer unterwegs. Für LKWs ist die Benutzung untersagt. Ein Verbotsschild für Wohnmobile steht in Moggio nicht, deswegen sehen wir keinen Grund, den Pass nicht zu befahren. Nach kurzer Zeit wird die Straße einspurig und die Ausweichbuchsen sind nur sehr sporadisch vorhanden. Wir hoffen, daß von der anderen Seite kein Camper so irre ist, den Pass zu benutzen, ansonsten hätten wir ein ernsthaftes Problem. Uns kommen fast nur Kleinwagen entgegen. Bei einem Pickup müssen wir schon bis an die Abbruchkante rangieren. Seitliche Absperrungen gibt es nur selten und falls doch, sehen sie nicht sehr vertrauenswürdig aus. Direkt neben der Straße geht es wie an einer Klippe hunderte von Metern steil nach unten. Wir sind froh, als wir Vedeseta erreichen.

In Piazza Brembana stehen wir alleine an einem Platz neben dem Wertstoffhof. Grillstellen sind vorhanden, ein Brunnen plätschert vor sich hin und würde uns kostenlos Wasser bescheren. Die moderne Stromsäule nehmen wir dankend an, denn unser Kühlschrank braucht Strom und um diese Jahreszeit leistet unser Solarpanel nur einen geringen Ertrag. Einheimische laufen vorbei und grüßen, Hunde bellen in der Nähe und im Wohnblock gegenüber werden wir registriert. Der aus dem Fenster rauchende Italiener im weißen Unterhemd hat uns längst erspäht. Dennoch fühlen wir uns an diesem Ort wohler, als an den anonymen und mit Menschen überfüllten Plätzen direkt am See.

Ein „Frauenbier“ am Abend.

An Karfreitag fahren wir nach Mezzoldo, einem kleinen Dorf in der Provinz Bergamo. Bei einer kurzen Rast auf dem kommunalen Stellplatz stellen wir fest, daß der Endtopf unseres Auspuffes auf dem Boden hängt. Nach einer schnellen Inspektion stellt sich heraus, daß das Rohr direkt hinter dem Topf gebrochen ist. Diese Situation hatten wir bereits vor nicht einmal zwei Jahren während unserer Reise durch Deutschland. In Perleberg haben wir uns damals einen neuen Auspuff montieren lassen. Nun ist er nach kurzer Zeit erneut defekt. Genau an der gleichen Stelle gebrochen. Was für eine Qualität wird heutzutage eigentlich angeboten? Wenn wir uns so zurück erinnern, war früher ein Auspuffwechsel nach frühestens fünf Jahren fällig. Da musste man mit den Karren aber schon einiges an Kilometern runter schruppen. Bereits während der Fahrt in der Nähe von Nürnberg hören wir seltsame Geräusche. Erst ein Scheppern, dann ein Pfeifen und Fiepen. Daß die Ursache beim Auspuff zu suchen wäre, schoben wir von uns. So lange haben wir den ja nicht dran. Jedoch bringt ein drücken des Endrohrs mit dem Schuh die Geräusche zum Verschwinden. Wir hätten es also besser wissen müssen. Trotzdem fahren wir weiter und irgendwann verschwinden die Geräusche schließlich. DerTag in Mezzoldo ist für uns beide natürlich gelaufen. Wir sind beide deprimiert, jeder auf seine eigene Art und Weise. Wir gehen früh ins Bett und versuchen diesen Tag aus unserem Bewußtsein zu streichen. Nach einer kurzen Fahrt zum Einkaufen am nächsten Tag wird für uns klar, daß wir nicht ohne Endrohr weiter fahren können. Die Abgase verwirbeln unter dem Fahrzeug, drücken in den Innenraum und erhitzen den Kunststoff unseres Abwassertanks. Doch woher bekommen wir an Ostern in Italien einen neuen Auspuff? Nirgends. Deswegen entscheiden wir uns für die MacGyver-Lösung. Aus unseren leeren Jever-Bierdosen ist mit Hilfe einer Schere und eines Schweizer Messers schnell ein provisorisches Rohr gebaut. Danach umwickeln wir es mit mehreren Lagen Alufolie und befestigen es mit Tesa-Reparaturband am Abgasrohr- bzw. an der Aufhängung am Wagenboden.

„Wir haben da mal was vorbereitet.“
Das Ausgangsmaterial für unseren neuen Endtopf.
Genügend Material haben wir immer mit an Bord.
Mit Alufolie und Tesa Reparaturband wird die Konstruktion stabilisiert.
Bei der Montage.
Das Endrohr nach der Montage bewährt sich in der Praxis.

Am nächsten Tag entscheiden wir uns, den längeren Rückweg über Bergamo und den Gardasee anzutreten, statt über irgendwelche Alpenpässe den Weg in den Norden zu suchen. Das Konstrukt soll halten und bei der Fahrt auf der Autobahn sind die Chancen dafür definitiv höher. Aus der Übernachtung in Verona wird nichts. Die Stadt ist an Ostern heillos überfüllt. Die von uns angefahrenen Plätze sind alle belegt. Im Etschtal, bei Farrara di Monte Baldo (Brentino) erreichen wir am Abend einen kostenlosen kommunalen Stellplatz, der bis auf die letzte Bucht voll mit Campern ist. Direkt neben der Brennerautobahn A22 liegt er sehr verkehrsgünstig und bietet sich als Zwischenstopp an. Auf dem Platz stehen wir zwei Tage und lassen die Ostersonne auf uns wirken.

Das Dorfpanorama von Brentino.
Ein Brunnen an der Treppe zum Sanktuarium Madonna della Corona.

In Bozen kaufen wir noch einmal ein. Nudeln, Kapern und Sardellen im Glas. Vor allem Nudeln sind hier günstiger als in Deutschland und so decken wir uns mit diversen Packungen ein. Selbst in Südtirol ist die Fischtheke üppig bestückt: Vongole, Miesmuscheln, Kraken, Doraden und sonstige Köstlichkeiten. Wir genießen den Anblick ein letztes Mal. In Österreich erwarten uns im Supermarkt wie in Deutschland nur geräucherte Makrelen und Fischabfall in Mayonnaise ertränkt. Wer hätte gedacht, daß die Spritpreise in Italien günstiger sind als in Deutschland? Leider ist unser Tank noch gut gefüllt und wir werden erst in Österreich wieder eine Tankstelle ansteuern. Die „Geiz-ist-geil“-Mentalität muß ja nicht völlig unser Handeln bestimmen. Auf dem kommunalen Stellplatz in Benediktbeuern stehen wir die erste und letzte Nacht unserer Reise.