Get your kicks on Route 66

Ein paar Tage Algarve genügen uns. Es ist schön, die Landschaft mal gesehen zu haben, aber auf Dauer macht es hier keinen Spaß. Der Wind ist zu dieser Jahreszeit ziemlich heftig, obwohl die Temperaturen über 20° Celsius liegen. Die Städte an der Küste könnten in Touristenhochburgen überall auf der Welt liegen. Restaurants, riesige Hotelkomplexe, Fitnesshallen, Bars und allerlei Tandläden säumen die Straßen. An den offiziellen Stellplätzen treten sich Deutsche, Niederländer, viele Briten und vor allem „Saugnäpfe“ (so übersetzt unsere App „Franzosen“) auf die Füße. Auf irgendwelchen staubigen Plätzen möchten wir nicht länger stehen, nur um uns die Sonne der Algarve auf den Pelz brennen zu lassen. Irgendwie ist uns unsere Zeit dafür zu kostbar. Seltsam, daß es viele an solchen Plätzen monatelang aushalten ohne durchzudrehen. Auch in Portugal verspüren wir wieder den Drang, uns die Küste anzusehen, kurz Meerluft zu schnuppern, aber dann relativ schnell das Hinterland anzusteuern. Das Alentejo ist relativ dünn besiedelt, die Landschaft abwechslungsreich und den extremen Küstenwind vermissen wir hier nicht. Für die Einwohner stellt sich die Situation nicht ganz so romantisch dar. Die Region hat eine der höchsten Selbstmordraten Europas. Auffallend ist die intensive Weidewirtschaft. Kuh- und Bullenherden grasen auf riesigen Flächen, die sich mit Schaf- und Ziegenherden den Landstrich teilen. Korkeichen stehen bis an den Straßenrand, der untere Bereich der Rinde ist geschält und geschwärzt, vermutlich als Schutz gegen die intensive Sonnenstrahlung. Der Süden Portugals ist eher flach. Selten steigen wir über 200 Meter NN. Auffallend und überraschend für uns ist der Waldbestand. So viele Bäume haben wir hier nicht erwartet. Erneut ein Beleg dafür, daß Vorstellung und Wirklichkeit selten miteinander zusammengehen. Und ja, es stimmt, die Portugiesen haben ihr Land nicht in dem Ausmaß in eine riesige Plantage verwandelt wie die Spanier. Olivenhaine, die über mehrere Stunden Fahrt an uns vorüberziehen haben wir hier noch nicht entdeckt. In Alvor haben wir beschlossen, auf der N2, der portugiesischen Route 66 Richtung Norden zu fahren. Die N2 verbindet Faro im Süden des Landes mit der Stadt Chaves im Norden. Sie ist die längste Straße Portugals. Sie schlängelt sich durch Berge und Täler, Dörfer im Hinterland und 11 Distrikte. Mit 737 Kilometern Länge zieht sich die N2 mitten durch Portugal und wird deshalb oft als die Wirbelsäule des Landes bezeichnet. Für Motorradfahrer ist diese Strecke ein absolutes Paradies. Auf den Straßen herrscht wenig Verkehr, die Kurven sind zahlreich, die Dörfer und Städte auf der Strecke „authentisch“, wenn man diese Bezeichnung bemühen möchte. Manchmal ändert die Straße ihre Bezeichnung, bzw. geht kurzfristig in andere Straßen über, sodass man des öfteren nach ihr suchen muss. Ab Abrantes verändert sich die Landschaft. Die Kakteen verschwinden langsam, die Landschaft wird bergiger. Auch die Architektur der Häuser ist anders. Plötzlich dominieren Satteldächer, statt Flachdächer. Auch der Verkehr nimmt zu und wohl auch die Populationsdichte, wenn man der Karte trauen darf. Die Schäden der extremen Brände 2017 sind immer noch sichtbar. Stundenlang begleiten uns die Überreste verkohlter Bäume und Häuser, die der Feuersbrunst zum Opfer gefallen sind. Statt nach Fatima zu fahren, haben wir uns auf den Weg nach Gois gemacht. Eine schnuckelige Kleinstadt, östlich von Coimbra (vermutlich spricht man Gois wie „Goisch“, oder gar „Schoisch“). Die Nachrichten über den Coronavirus beunruhigen uns. Einen Wallfahrtsort mit Tausenden Fußlahmen aus aller Herren Länder wollen wir uns nicht geben. Der Vergleich mit Ghom im Iran drängt sich uns auf. Santiago de Compostela werden wir deshalb ebenfalls meiden. Öffentliche Toiletten sind für uns Risikofaktoren genug. Wenn es geht, benutzen wir unser WC im Van. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Die Burg von Monsaraz.
Wir haben nicht gedacht, daß Portugals Natur so grün ist. Auch der immense Waldbestand ist beeindruckend.
Auch in Portugal gibt es Stierkämpfe.
Abrantes haben wir als landschaftliche und innerkulturelle Grenze wahrgenommen. Im Hintergrund der Tejo, mit 1007 Kilometern Länge der längste Fluß auf der Iberischen Halbinsel.
Bei Montargil.
Hat Ähnlichkeit mit einem Bonsai, nur ist er etwas größer.
Unser Stellplatz in Gois.
Genügend Stellplätze, Bänke, Ver- und Entsorgung, Mülleimer und demnächst auch kostenlosen Strom gibt es in Gois.
Das Wasserrad von Gois.
Als wir hier rasten kommt ein Bauer mit dem Traktor vorbeigefahren und ruft uns zu: „Guten Abend, Deutschland gut“, dabei streckt er seinen Daumen in die Höhe.
Sabugueiro, eines der höchst gelegenen Dörfer Portugals.
In der Serra da Estrela an einem Staudamm.
Auf dem Weg zum Gipfel des Torre liegt noch Schnee.
Auf dem Torre, mit 1993 Metern höchster Berg des portugiesischen Festlandes und das einzige Skigebiet Portugals.
Stauseen in der Serra da Estrela.

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