Auf der Straße der Megalithkultur nach Norden

Einen Blick in den Shell-Straßenatlas zu werfen lohnt sich manchmal. Den Wälzer haben wir seit Anbeginn unserer Reise mit an Bord. Und dort entdecken wir in blauer Schrift den Eintrag Straße der Megalithkultur. In einem geographischen Dreieck zwischen Osnabrück und Oldenburg erstreckt sich eine Ferienstraße, die über 300 Kilometer lang ist und aus 33 archäologischen Stationen der Magalithkultur besteht. Über 70 Megalithanlagen aus der mittleren Phase der Jungsteinzeit (3500–2800 v. Chr.) kann man besichtigen. An fast allen Stationen stehen Tische und Bänke und hervorragend aufbereitete Infotafeln zur jeweiligen Geschichte. In der Regel liegen die Anlagen in landschaftlich reizvoller Lage. Entweder im Wald, oder geographisch exponiert auf einem Hügelkamm.

Auf den Straßen, im Wald und in den Parkanlagen grüßen die Menschen im Vorbeigehen, mit einem selbstverständlichen „Moin“. Für uns waschechte Franken ist das ungewohnt. Wir kennen eher den scheelen bzw. mürrischen Blick unserer Mitmenschen. Aber daß selbst in städtischer Umgebung das Grüßen praktiziert wird ist für uns neu und ehrlich gesagt finden wir es eine angenehme Geste. Das Osnabrücker Land gefällt uns sehr gut und uns wird klar, daß die norddeutsche Landschaft keineswegs nur flach und langweilig ist. Die Wälder sind urwüchsig, doch in den Vorgärten wird der Rasen anscheinend mit der Nagelschere geschnitten. Die im Moment blühenden Rhododendren sind als Ziergehölze sehr beliebt. Urige Bauerngärten mit viel Wildwuchs wie an der Mosel sucht man hier allerdings vergebens. Hier wirkt alles aufgeräumter, strukturierter und geleckter. In Ostfriesland wird diese Gartenpflege wie es scheint exzessiv betrieben. Die geometrischen Hecken, die als Grundstückszäune dienen, sehen in Verbindung mit den zurecht gestutzten Buchsbäumen und Thujen einfach grausam aus. Was sollen Bienen und andere Insekten hier finden? Wären wir Vögel, würden wir uns weigern unseren Kot hier zu hinterlassen. Vermutlich ist das von den Leuten sogar teilweise intendiert. Das flache Land und der einheitliche Architekturstil tragen auch nicht dazu bei, den Landstrich sonderlich sympathisch zu finden. Auf uns wirkt das alles ziemlich konformistisch. Das ist nicht unsere Ecke denken wir, nichts wie weg. Mal kurz an die Küste fahren vielleicht, um auf die See zu gucken und dann wie seit einem Jahr praktizierend, von den Zielen flüchten die viele ansteuern. Zurück in das Landesinnere und auf irgendeinen „unromantischen“ Parkplatz in der Pampa oder in einem Industriegebiet übernachten. Dort kommt man zur Ruhe, dahin zieht es uns immer wieder. Meer, Seen und Berge meidend reisen wir entspannt und sehen Orte, „die nie ein Mensch zuvor gesehen hat“ 🙂

Die Ver- und Entsorgung mit dem Camper gestaltet sich in Deutschland schwieriger, als anderswo. Entweder fehlt der Ablaß für das Grauwasser im Boden, oder an den kommunalen Stellplätzen befinden sich nur Stromsäulen. Für Wohnmobilisten, die auf ihr abendliches Fernsehprogramm nicht verzichten können, sind die natürlich unerlässlich. Die Entsorgung der Chemietoilette ist in unserem Land noch am einfachsten. In der Regel sind diese Dienstleistungen kostenpflichtig, während sie in Spanien, Italien und in Skandinavien kostenfrei waren. Dort war oftmals sogar das Tanken von Frischwasser kostenlos. Deutschland sieht sich gerne als Vorreiter hinsichtlich Mülltrennung. Das mag zutreffen, aber als Wohnmobilfahrer merkt man sehr schnell, daß wir in Sachen öffentlicher Müllentsorgung eher als Entwicklungsland gelten dürften. Die Mülleimer sind entweder hoffnungslos überfüllt, oder schlichtweg nicht vorhanden. Grotesk wird das Ganze, wenn auf Parkplätzen riesige Werbeflächen stehen auf denen der Slogan „Abfallfreier Parkplatz“ prangt, die Mülleimer jedoch abgebaut wurden. Na sicher, weil das dort steht, nehmen die Menschen ihre „Curry-King“-Reste, ihre Taschentücher und Sandwichverpackungen wieder mit nach Hause. Germany: Ten points.

Ansonsten reisen wir gerne hier, obwohl das für das Reisen obligatorische Fremdheitsgefühl sich nicht so recht einstellen mag. Zu ähnlich sind die kulturellen Gemeinsamkeiten der deutschen Regionen, v.a. das zwischenmenschliche Verhalten der Menschen. Abgesehen von den Dialekten, versteht man sich von Flensburg bis Garmisch. Zugegebenermaßen ist das aber eine ganz gute Basis, die in dieser „Neuen Normalität“ von Vorteil ist.

An allen Stationen finden sich Infotafeln, wie an der Station 33, Große Steine von Stenum.
Einfach nur staunen…
Atlas trägt den Stein 🙂
Zivilisationsartefakte die nicht so lange überdauern wie die Steine.
Am Großsteingrab Jeggen.
Großgrab mit Golfplatz im Hintergrund.
Dazwischen ein Vogelparadies.
Häufig am Wegrand anzutreffen.
Holz trifft Stein.
Das musste sein 🙂
Die Sage von Ankum.
Ankumer Dorfbrunnen.
Kirche in Ankum.
Tausendjährige Eiche am Dorfplatz von Dötlingen.

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