Idyllisches Österreich bei Kaprun

Kaprun.

Das idyllisch gelegene Kaprun in der Nähe von Zell am See im Salzburger Land. Bekannt wurde es vor allem durch die Brandkatastrophe der Gletscherbahn im Jahre 2000. Die Aufnahme der Geräuschkulisse entstand am Aufnahmeort des Bildes 🙂

Und Tirol?

Durch Tirol fahren, die Landschaft auf sich wirken lassen, dabei den Verkehr ignorieren und den ganzen Klimbim übersehen. Die Berge sind zu hoch, die Täler zu düster, die Häuser zu groß. Die zahlreichen Pässe zu fahren nervt mit der Zeit. Weg von hier….

Gedanken zur österreichischen Küche

Wiener Schnitzel, Tafelspitz und Sachertorte fallen uns zuerst ein, wenn wir an typische Gerichte der österreichischen Küche denken. Der Großteil der Gerichte ist für die Camperküche jedoch ungeeignet, es sei denn man hat einen Ofen an Bord. Meinetwegen auch den immer beliebter werdenden Omnia, aber unsere Meinung zu diesem Küchenutensil ist zwiegespalten. Zum Brötchen aufbacken ist das Teil zu sperrig und für Aufläufe und dergleichen braucht es uns zu viel Energie. Vanillerostbraten, Stephaniebraten, Paprikahendl, Gulasch und Knödel unterschiedlichster Art brauchen ebenfalls Zeit auf dem Herd und im Ofen. Die österreichische Küche ist, im Vergleich zur italienischen Küche mit ihren schnell zubereiteten Nudelgerichten, träge wie ein mit Uhudler abgefüllter Burgenländer. Und dann noch diese Süßspeisen, bestehend aus Zipferl, Kipferl, Nockerln, Buchteln, Reinlingen, Wäschermädeln, Öpfelradeln und was es sonst noch für Gerichte gibt, die mit Zucker verpanscht werden können. Süßspeisen kommen bei uns im Van nicht auf den Tisch. An den Konditoreien laufen wir vorbei und wundern uns über die große Auswahl. Einkaufen würden wir dort nur, wenn sie Saure Gurken im Angebot hätten. Ein perfekt zubereitetes Wiener Schnitzel ist ein Hochgenuß, natürlich am besten mit Kartoffelsalat serviert, statt mit labbrigen Pommes Frites wie es in Deutschland allgemein üblich ist. Ein Schnitzel muß allerdings schwimmen und da wären wir wieder bei der Schwierigkeit dieses Gericht im Camper zuzubereiten. Wohin mit dem ganzen Öl nach dem Bratvorgang? Und wo sollen wir unsere Panierstraße aufbauen? Vom Fahrerhaus bis nach hinten ins Bett? Eine romantische Vorstellung. Bleibt nur noch Wurst- und Käsesalat und die Brettljause. Wenn es sein muß gerne, aber bitte nicht so oft. Und auf das Geselchte haben wir bei über 30 Grad Celsius keinen großen Appetit. Von der Käsekrainer haben wir noch gar nicht gesprochen. Unsere wanderte in Wien in den nächsten Mistkübel. So etwas ist für Masochisten, unsere Geschmacksnerven und Mägen vertragen die geschmacklich übertriebene Überfülle der „Eitrigen“ nicht.

Jede Region Österreichs hat eine eigene Kochtradition, die oftmals von den Nachbarländern beeinflußt wurde. Besonders deutlich wird das bei der Burgenländischen Küche. Da das Bundesland bis 1921 zu Ungarn gehörte, sind heute noch bei vielen Gerichten ungarische Einflüsse vorhanden. Nicht selten spricht man darum auch von der Pannonischen Küche. Es gibt verschiedene Gulaschvarianten, Paprikagerichte und die bekannte Knoblauchsuppe, die wie die spanische Variante, in erster Linie eine Brotsuppe ist, für die das alte harte Brot zur kulinarischen Resteverwertung verwendet wird. Die uns bekannten Rezepte beinhalten entweder Selchspeck, Schlagobers, Rahm, Ei, oder alle Zutaten in Kombination, womit wir wieder bei der Überfülle wären. An dieser Stelle deswegen eine leichtere Variante der Knoblauchsuppe, die es bei uns (mir) öfters gibt. Altbackenes Brot wird im Ofen bzw. in der Pfanne angeröstet. Bei wirklich harten Brötchen und Brot kann darauf auch verzichtet werden. In einem Topf wird in dünne Scheiben geschnittener Knoblauch goldgelb gebraten. Wer mag, kann noch Speck mit anbraten lassen. Dann allerdings die Menge des Olivenöls reduzieren. Eine gute Portion Paprikapulver wird mit dazu gegeben. Der Paprika braucht die Hitze, um sein Aroma zu entfalten. Anschließend kommen die Brotstücke und der Fond bzw. das Wasser in der gewünschten Menge dazu. Jetzt ist der Moment gekommen, um mit Salz, Pfeffer und Chili zu würzen. Pro Person kommt noch ein Ei in die Suppe. Wir lassen es bei geschlossenem Deckel pochieren. Zum Schluß mit Petersilie garnieren und heiß servieren.

Einen Guten

Von G M – Flickr: Sopa de Ajo, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32205947

Im Land der Blauen – Kärnten

In Ferlach, der südlichsten Stadt Österreichs, stehen wir zwei Tage lang auf einem städtischen Stellplatz. Nach Klagenfurt sind es ca. 20 Kilometer und dort hat Karin einen Termin in einer Zahnarztpraxis, da ihr morgens beim Biß in das Brötchen ein Stück Zahn abgebrochen ist. Die Kosten der Behandlung stellen sich als ausgesprochen moderat heraus, vor allem wenn man bedenkt, daß es sich um eine Privatabrechnung handelt. Nachdem der Zahn versorgt wurde, besuchen wir die Innenstadt von Klagenfurt. Danach fahren wir wieder zurück nach Ferlach ins Rosental, um unsere zweite Nacht dort zu verbringen. Beim örtlichen Bäcker wird unsere Anwesenheit aufmerksam registriert. Dort kennt man mittlerweile unsere Brötchenvorlieben und natürlich weiß die Verkäuferin bereits, daß wir wieder in der Stadt sind. Beruhigend, soll doch das Rosental für seine hohe Kriminalität bekannt sein, wie uns am nächsten Tag versichert wird. Nach einer mehrstündigen Wanderung in der Tscheppaschlucht und einem kurzen Abstecher zum Meerauge im Bodental, erreichen wir abends einen Hof bei Gurk, den wir über Bauernleben gefunden haben.

Wildensteiner Wasserfall unweit der Ortschaft Gallizien.
In der Fußgängerzone von Klagenfurt.
Der Lindwurmbrunnen in Klagenfurt. Das Wahrzeichen der Stadt.
Unser Stellplatz auf dem Hof Lucky Bur.
Der Troadkasten hat schon bessere Zeiten gesehen.
Eine historisch provisorische Behausung für Waldarbeiter und gerne genutzter Platz für Schmuggler.
Am Meerauge im Bodental.
Am Millstätter See in Kärnten.

Vom Burgenland in die Steiermark

Das Burgenland ist das östlichste der Länder Österreichs und gemessen an seiner Einwohnerzahl kleinste. Das Land ist stark von der Landwirtschaft geprägt, viele pendeln nach Wien, oder Graz zur Arbeit. Die Grundstückspreise sind hier noch äußerst niedrig. Erst durch den Vertrag von Trianon wurde das Burgenland im Jahr 1921 in das österreichische Staatsgebiet eingegliedert. Die Landschaft ist von den Ausläufern der Pannonischen Tiefebene geprägt, eher flach. Die Häuser in den Dörfern sind sehr klein und in der Regel einstöckig. Die Häuserzeilen präsentieren sich ohne Bauwich und laufen deswegen unserer architektonischen Gewohnheit zuwider. Die Fassaden leuchten ebenfalls in Farbnuancen, die so mancher spöttisch als „Trabifarben“ bezeichnen würde. Im südlichen Burgenland und der südwestlichen Steiermark finden wir keine hohen Berge und tiefe Täler. Der Blick kann bis zum Horizont schweifen und wird nur von der hügeligen Landschaft in der Ferne begrenzt. In Deutsch Jahrndorf stehen wir alleine auf einer Wiese im Ort. Das Dreiländereck Österreich-Slowakei-Ungarn befindet sich nicht einmal zwei Kilometer von hier und ist über einen Feldweg zu erreichen.

Dreiländereck Österreich-Slowakei-Ungarn bei Deutsch Jahrndorf, von der ungarischen Seite aus betrachtet. Rechts hinten sieht man die Hochhäuser von Bratislava.

Wir parken gerade auf den Hof unserer Gastfamilie in Deutsch Kaltenbrunn, als ein Gewitter mit Hagelschauer einsetzt. Der Hausherr öffnet die Scheune für uns, damit wir mit unserem Herbie den Hagelschauer sicher überstehen. Bereits bei der Fahrt zum Hof suchten wir Schutz unter einem Vordach einer Lagerhalle. Hagelkörner fallen in dieser Gegend oftmals in Form von Tennisbällen vom Himmel. Wir hatten Glück. Wenn selbst die Einheimischen sich mit ihren Autos unter Tankstellendächer stellen, sind wir nicht so vermessen dieses Naturphänomen zu bagatellisieren. Auf dem Hof sehen wir Brillenschafe und Hühner zur Selbstversorgung. Die Familie ist wieder einmal sehr unkompliziert und sympathisch. Am nächsten Tag treffen wir Thomas auf dem Hof. Er wohnt im Ort, ist Deutscher und hat lange im oberfränkischen Raum gelebt. Er lädt uns zu einem Kaffee ein. Sein Haus finden wir, da ein Auto mit Bamberger Kennzeichen in der Einfahrt steht. Er bewohnt einen alten Vierkanthof mit weitläufigem Garten und einem Pool, der fast schon als Schwimmbad durchgehen könnte. Auf seiner Veranda findet unsere erste Erfahrung mit dem Uhudler statt. Nach dieser Begegnung decken wir uns mit dem bürokratisch umstrittenen Rebensaft ein. Ein paar Flaschen Kürbiskernöl kommen natürlich mit dazu.

Ohne Worte.
Ein Blick in die Ferne von Kitzeck im Sausal aus.

Auf zu den Mistkübeln

Wir sind spät dran, deswegen nehmen wir, entgegen der Gewohnheit unserem Reiseverhalten die Benutzung der Autobahnen auszutreiben, den Frankenschnellweg Richtung Nürnberg. Bei Langwasser fahren wir ins landschaftlich unaufgeregte Nürnberger Land, trinken in einem Restaurant an einem Baggersee einen Pott Kaffee und machen uns dann auf in die Oberpfalz. In Neunburg vorm Wald stellen wir uns vor das örtliche Freibad. Hier gibt es eine Entsorgung, Strom und Frischwasser. Nach dem Abendessen laufen wir in den Ort. Es geht über eine Brücke, die über die Schwarzach führt. Nach der Brücke geht es links in den Stadtpark, bestehend aus einem See den man umrunden kann, einem Kiosk mit Bewirtung und einem kleinen Skaterpark. Direkt am Eingang in den Park steht ein Möbelhaus, daneben gibt es eine kleine Passage in die Stadt, die an einer mächtigen mittelalterlichen Wehrmauer endet. Irgendwie kommt uns das bekannt vor. Der rote Stuhl im Schaufenster des Möbelhauses, das seit den 80er Jahren keine wesentliche Veränderung, weder in baulicher Form, noch im feilgebotenem Inventar erkennen läßt. Die schnatternden Enten im Stadtsee, das Kiosk und die Informationstafeln des Pendelgängerlehrpfades rufen in uns ein Gefühl der Vertrautheit hervor und wir täuschen uns nicht. Laut unserem Logbuch waren wir vor fast genau einem Jahr in Neunburg und liefen den gleichen Weg im Park. Um ein Haar hätten wir diesen chronologischen Zusammenhang nicht erkannt. Während unsere Sinne wie Zwerge nach dem Golde schürfen, verhält sich unsere Erinnerung wie eine ihre Spielchen treibende Hure.

Neunburg vorm Wald.

Das Mühlviertel ist unspektakulär, zumindest für uns. Es erinnert landschaftlich an die Oberpfalz, oder an Niederbayern. Außerhalb von Ortschaften gibt es fast keine Parkmöglichkeiten. Jeder noch so kleine Weg führt zu einem Hof oder ist ein Privatweg. Wir entdecken Ähnlichkeiten zu Südnorwegen. Auch in dieser Region dominiert die Landwirtschaft und drückt der touristischen Infrastruktur ihren Stempel auf, der uns das Weite suchen läßt. Wer nicht rasten darf, fühlt sich nicht wohl und er fängt an zu glauben, er soll es auch nicht.

Nach St. Martin am Ybbsfelde verschlägt es uns zufällig. Dort gibt es laut App einen Stellplatz mit Wasserversorgung, Strom, und Entsorgung und das alles kostenlos. Als wir ankommen sind wir die einzigen am Platz. Unsere Vorstellung ging in eine andere Richtung, aber vielleicht sollten wir nicht von unseren Reiseverhalten auf das von anderen schließen. Gegenüber der Kirche und dem Gemeindeamt stehen wir auf einem Parkplatz, der in nächster Nähe zur Caritas, der örtlichen Sportstätte und dem Kindergarten gelegen ist. Eine Sitzgruppe finden wir ebenso vor, wie eine Möglichkeit unseren Müll zu entsorgen. Idyllischer geht es kaum, wenn man in der Lage ist, auf Flußufer und Badesee zu verzichten. Ein 1000-Seelen-Fleckchen tut es auch, vor allem wenn die Geschichte des Ortes Verknüpfungen eröffnet, die wir vorher in ihrer historischen Koinzidenz nicht erahnt hatten. Karl der Große schlägt im Ybbsfelde die Awaren und das Adelsgeschlecht der Babenberger hat ein paar Jahrhunderte später nicht nur in Franken politischen Einfluß. In Österreich stellen sie bis 1246 das Herrschergeschlecht, danach erst betreten die Habsburger die politische Bühne. In St. Martin befindet sich die älteste Oktavglocke der Welt, die wohl auf eine Stiftung der Babenberger um das Jahr 1200 zurück geht.

Die Wachau erinnert uns landschaftlich an die Moselregion. Weinberge auf der einen Seite von den Steillagen bis direkt an die Straße, während auf der anderen Seite die Donau mit schneller Strömung an uns vorbei fließt. Abends stehen wir bei einer Winzerfamilie im Kamptal des Waldviertels, die bei Bauernleben gelistet ist. Auf diesen Höfen darf man kostenlos übernachten, wenn man sich vorher die App, das Buch und die Mitgliedskarte für ca. 30 Euro besorgt hat. Wir bekommen sogar Strom, für den wir sehr dankbar sind, da unser Kühlschrank bei diesen Temperaturen an sein Limit kommt. Die Familie Eisenbock baut übrigens einen trinkbaren Grünen Veltliner aus, den sie auch nach Deutschland verschicken.

Auf dem Weg zum Stift Melk.
Burgruine Gars am Kamp.

P.S. Die Überschrift ist keinesfalls despektierlich gemeint, sondern verweist lediglich darauf, daß Deutsche und Österreichischer die gleiche Sprache sprechen, jedoch Begriffe mit unterschiedlichen Bedeutungen verwenden, die auf eine andere sprachlich-soziale Kultur hinweisen: „In Deutschland stehen weder auf dem Land, noch in den Städten Mistkübel. In Österreich stehen sie nicht nur am Land an öffentlichen Plätzen und Rastanlagen, sondern überall und vor allem zahlreicher als in Deutschland“. :-))

Aus der Camperküche – Miesmuscheln

Bei dem Rezept handelt es sich zugegebenermaßen nicht um eine Spezialität der Thüringer Küche. Wer diese sucht, dem empfehle ich zum Einstieg „Fritz„. In Mecklenburg haben wir (in den Supermärkten) vergeblich nach Muscheln Ausschau gehalten, in Thüringen wurden wir schließlich fündig. Für das Gericht benötigen wir 1kg Miesmuscheln, die wir im Wasser von eventuellen Bartresten und Anhaftungen befreien. Beschädigte Muscheln werfen wir an dieser Stelle weg. Auf einen Klopftest verzichten wir. In einen großen Topf geben wir Olivenöl, Chillies nach Geschmack (ca. 5), drei Knoblauchzehen, 2 EL Kapern und 6-7 klein geschnittene Tomaten, von denen wir das Kerngehäuse entfernen und nur das Fruchtfleich verwenden. Zwei große geviertelte Zwiebeln lösen wir in einzelne Spalten auf und geben sie zum Soßenansatz.

Das ganze lassen wir schmoren bis aus den Tomaten eine sämige Soße geworden ist und die Zwiebeln bißfest bis weich sind. Ein Schuß trockener Weißwein verhindert, daß unsere Soße anbrennt und gibt dem Gericht eine wunderbare Note, alternativ verwendet man den Saft einer Zitrone. Normalerweise salzen wir jetzt. Da unsere Kapern in Salz eingelegt sind verzichten wir darauf. Ein gehäufter TL getrockneter Thymian sorgt für die nötige Würze.

Wir haben noch eine halbe Möhre übrig, deshalb kommt die mit in den Topf.

Am heimischen Herd beginnen wir in der Regel damit, die Zwiebeln zu dünsten, löschen mit Weißwein ab und geben erst dann die Tomaten dazu. Die hier beschriebene Variante funktioniert aber ebenso. Zum Schluß geben wir die Muscheln dazu, schließen den Topf mit einem Deckel und und erhöhen die Temperatur. Ab und zu rühren wir um. Nach ca. 8-10 Minuten sollten sich die Muscheln geöffnet haben. Nachdem wir noch eine gute Portion frischer Petersilie untergemengt haben, können wir servieren.

Der Name Miesmuschel leidet sich übrigens vom moosartigen Bewuchs ab, den die Muscheln auf dem Meeresboden bilden und lässt keine Rückschlüsse auf einen schlechten Charakter der Meerestiere zu. Etwaiges blasses Muschelfleisch ist nicht verdorben, es handelt sich um die Männchen. Die Weibchen haben eine orange-gelbliche Farbe.

Guten Appetit.

Und immer wieder der Osten…

Straße in Perleberg.
Vor dem Postamt in Perleberg.
Marktplatz Perleberg.
Schloß Ludwigslust.
Kaskaden in Ludwigslust.
Schade, sie waren schon in der Autolyse. Diese Schopf-Tintlinge wären eine leckere Pilzmahlzeit gewesen.
Gesehen im Kloster Malchow.
Lecker Fischbrötchen in Ribnitz-Damgarten.
Maske in Prora.
Am Strand von Prora.
In der Nähe des Königsstuhls auf Rügen.
Beim Herthasee.
Der Holzmichl…
Kormorane in Sassnitz.
Kloster Zarrentin.

Rügen, die „alte Bekannte“

Mit alten Bekannten ist das so eine Sache. Sieht man sie nach Jahren wieder, wird die gegenseitige Entfremdung sehr schnell offensichtlich. Erst stellt sich ein schleichendes Unbehagen ein, welches in die Frage mündet, ob man früher in vielerlei Hinsicht noch ähnlicher war, oder einfach nur Scheuklappen getragen hat? Anschließend beginnt man sich darüber zu ärgern, daß man sich überhaupt auf eine erneute Begegnung eingelassen hat. Mit Rügen ist es uns so gegangen. Vor 20 Jahren waren wir schon mal auf Deutschlands größter Insel. Damals besuchten wir die Insel im März, heute sind wir im Oktober hier. Die Witterungsverhältnisse sind vergleichbar. Was uns damals schon aufgefallen war und auch heute noch gilt: Der Verkehr, vor allem im Ostteil der Insel ist extrem. Auf den Straßen reiht sich ein Auto an das andere. Göhren und Sassnitz haben wir wiedererkannt. Dort hat sich auf den ersten Blick in all den Jahren nicht großartig etwas verändert (bei näherer Betrachtung natürlich schon). Enttäuschend für uns ist der Besuch von Prora. Im Umfeld der Anlage entstand einiges an neuer Bausubstanz. Lagerhallen, Einkaufsmärkte, Straßen und Häuserzeilen, die den Archetypus der „Little Boxes“ aus dem Song von Malvina Reynolds erschreckend nahe kommen. Damals fuhren wir auf einer alten Betonstraße direkt an Prora vorbei und parkten vor der Anlage. Heute gibt es dort ein Parkleitsystem mit diversen kostenpflichtigen Parkplätzen. Der Sinn der an den Wegen stehenden Holzschilder mit Phantasienamen aus der Schublade der Alpenromantik erschließt sich uns nicht. Teilabschnitte von Prora sind saniert. Eine große Jugendherberge sticht ins Auge, Cafes, ein Hotel und Appartements für Betreutes Wohnen. Doch viele Lofts stehen leer. Hinter den Fenstern sind die Räume kahl, unmöbliert und unbeleuchtet. Sie warten darauf belebt zu werden. Das geschäftige Treiben und die daraus erwachsenden wirtschaftlichen Vorteile seien den Einheimischen auf alle Fälle gegönnt, allerdings verliert Prora dadurch den Charakter den es vor 20 Jahren hatte: Ein Denkmal des Größenwahns der Nazis zu sein. Der erneute Besuch der Anlage ist für uns deshalb eher enttäuschend ausgefallen. Wir laufen am Ostseestrand an den Gebäuden vorbei, trinken einen Kaffee und verlassen relativ schnell den Ort. Bei einer weiteren Sehenswürdigkeit Rügens ergeht es uns ähnlich. Der Kaiserstuhl, die berühmteste Kreidefelsformation Rügens, kam damals noch ohne Klimbim aus. Heute stehen wir nach einer drei Kilometer langen Wanderung, vor dem Nationalpark-Zentrum. Fast zehn Euro würde uns der Eintritt kosten. Und nur dann haben wir die bekannt-romantische Aussicht auf den Kreidefelsen. Wir sind nicht die einzigen die kehrt machen und von Halsabschneiderei sprechen. Schade, aber wir haben ihn schließlich vor zwei Jahrzehnten gesehen und den Parkplatz und die Entsorgung unseres Womos lassen sie sich hier auch gut bezahlen. Nichts wie weg von hier. Am nächsten Tag verlassen wir die Insel wieder. Drei Tage sind mehr als genug. Auf die Ostsee haben wir blicken können. Fast ein Jahr ist es nun her, daß sie uns in Schweden, Finnland und dem Baltikum täglich begleitet hat. Das Meer zieht uns immer wieder an, doch es hält uns nicht lange in seinem Bann. Der Kommerz und die Menschenmaßen lassen uns immer sehr schnell das Weite im Inland suchen. Dort, mit dem Womo auf Schotterplätzen hinter Dorfkirchen stehend, fühlen wir uns eher zuhause, als auf Dünen, an beliebten Seen oder an irgendeinem Strand.

Ein Jahr, ein Van, zwei Menschen – Ein Fazit?

Wir sind zurück. Wir fahren auf den Parklplatz von dem aus wir letztes Jahr um diese Zeit unsere Reise begonnen haben. Dieser Moment macht uns stumm. Wir sitzen da und sind beide in unseren eigenen Gedanken versunken. Wie schnell ein Jahr vergeht, denken wir sicher beide, während wir uns aus unseren Sitzen schälen. Die Tür zu öffnen fällt schwer. Danach sind wir wieder da. In einer Form von Realität, die für uns ein Jahr lang nichtig war. Wir mussten nichts. Wir hatten keine Verpflichtungen. Wir sind gereist. Ohne Kompaß, ohne Reiseführer, ohne Plan, ohne die Buchung für die Wohnung, den ganzen Kram, den Menschen glauben zu brauchen, um auf Reisen zu gehen. Man braucht all das nicht. Es genügt die ungefähre geografische Richtung und zwei Menschen die sich vertrauen. Gestartet sind wir im letzten Jahr Anfang Juli. Und aus heutiger Sicht müssen wir feststellen, daß das letzte Jahr an uns vorbei gerast ist. Sicher, wir waren in vielen Ländern und hatten einige schöne Begegnungen mit Menschen, die zwischen uns immer noch Gesprächsstoff sind. Aber insgesamt ging das Jahr zu schnell vorüber. Wir fragen uns, wo die Zeit geblieben ist.

Auf unserer Reise im Juni durch Deutschland haben wir uns das erste Mal im Van geduscht. Hätten wir vorher gewußt, wie unkompliziert das vonstatten geht, wären wir auf unserer Reise ohne den Besuch eines Campingplatzes ausgekommen. Auf diesen Plätzen haben wir uns gestellt, um einmal in der Woche unsere Wäsche zu waschen und uns einer umfangreichen Dusche zu unterziehen. In den nördlichen und südlichen Ländern gibt es Waschsaloons an jeder Ecke. Wir Deppen haben sie nur nicht genutzt. Ein kommunaler Stellplatz ist für unsere Bedürfnisse ausreichend. Und wenn wir in Zukunft wieder kürzere Reisen unternehmen, werden wir sicher Campingplätze meiden und nach kommunalen oder „freien“ (im deutschen Sprachgebrauch „wilden“) Stellplätzen Ausschau halten, denn die Campingplatzathmosphäre sagt uns gelinde gesagt weniger zu.

Wenn man ein Fazit wagen möchte, könnte man fragen, was uns das Jahr gebracht hat? In erster Linie eine Auszeit, die für Karin sicher heilsamer war als für mich. Karin hat auf dieser Reise (leider viel zu spät und schmerzlich) erkannt, daß es andere Lebenszusammenhänge und Sinnstiftungen gibt, um es vorsichtig auszudrücken. Und, daß vor allem Menschen da sind, die vernachlässigt wurden, die einen aber so nehmen wie man ist. Das ist schon sehr viel. Meine Frau hat wieder lachende Augen, sie beherrscht mittlerweile die Kunst des „Smalltalks“ besser als ich. Für mich wäre das Fazit genug.